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Kann man "sich mögen" anerziehen?


ameise
Rettungshund
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Kann man "sich mögen" anerziehen?

Beitragvon ameise » So 4. Okt 2015, 20:46

Ich weiß, daß klingt wie eine saublöde Frage - ich wusste gerade nicht wie ich es formulieren soll.

Es geht um folgendes Elvis, 16 Monate alt und seit ca 9 Monaten bei mir, kann den knapp 12 Monate alten Eurasier meiner Schwester nicht (mehr) leiden.
Sie kennen sich seit ca 9 Monaten, also als beide noch recht klein waren. Damals haben sie gern und viel miteinander gespielt und gerauft. Sie sehen sich jetzt nicht so oft aber im Durchschnitt mindestens 1x im Monat, manchmal sehen sie sich 2x in einer Woche oder 3x in 3 Wochen und dann kann es auch vorkommen dass sie sich 5-6 Wochen nicht sehen.
Der Eurasier ist eigentlich sehr verträglich und freut sich wenn Elvis kommt.
Irgendwann nachdem wir uns mal mehrere Wochen nicht gesehen hatten, fing es an dass Elvis nicht mehr so mit ihm spielen wollte und ihm eher aus dem Weg ging. Der Eurasier kapierte das nicht und wurde junghundetypisch aufdringlich. Elvis knurrte ihn dann an und verwarnte ihn. Wenn er nicht aufgab bellte er auch mal böse. Aber die meiste Zeit ignorierte er ihn die letzten Male.
Heute hat der Eurasier gar nichts gemacht außer schwanzwedelnd da gestanden, da hat Elvis ihn schon echt böse angeknurrt als wir ins Haus meiner Schwester kamen.
Ich hab Elvis verwarnt und er war ruhig. Dann gingen wir raus zum spazieren.
Der Eurasier pinkelte altersgemäß überall vor Elvis Nase hin und Elvis dann natürlich drüber.
Am Anfang des Spaziergangs knurrte Elvis ihn noch ein paar mal an wenn der zu nahe kam, aber dann war es okay. Sie gingen nebeneinander, rannten dann später sogar um die Wette und spielten kurz miteinander. Beim heimgehen war alles okay.
Im Haus holte sich Elvis dann den Knochen vom Eurasier und lag frech in dessen Körbchen. Der Eurasier guckte nur zu. Ich nahm Elvis nach einer Weile den Knochen weg, weil der ihn sonst komplett gefressen hätte und legte ihn auf den Schrank.
Die Hunde tappten gemeinsam durchs Haus, alles okay. Dann fiel mir ein Stück Kuchen runter, Elvis schnappte es sofort, ich holte es Elvis aus dem Maul, warf es in den Mülleimer und ging in die Küche zum händewaschen. Beide Hunde folgten mir. Ich hob meinen Finger weil Elvis Blick auf ein Brötchen auf der Arbeitsfläche fiel und sagte in scherzhaftem, freundlichem Ton "ne du kriegst nix mehr".
Erst schaute er mich an dann gingen die Hunde plötzlich wie aus dem Nichts böse aufeinander los und ich bekam sie erst nicht auseinander. Normal lässt Elvis gleich ab wenn ich schimpfe aber er war dem Eurasier unterlegen und der war über ihm. Elvis knurrte und fletschte Zähne wie verrückt und der Eurasier packte ihn im Genick. Ich bekam nur den Eurasier zu fassen und zog ihn weg und meine Schwester brachte Elvis raus aus der Küche.

Danach saßen wir im Esszimmer. Elvis hatte ich an der Leine bei mir und der Eurasier beobachtete ihn liegend aus dem Wohnzimmer. Er wollte immer zu ihm hin. Meine Schwester ließ ihn aber nicht. Elvis legte sich hinter meinen Beinen ab.
Später wollten wir es nochmal versuchen mit den beiden. Elvis stand und der Eurasier kam freudig aber nicht stürmisch und schnupperte, Elvis knurrte sofort böse. Er versteckte sich dann hinter mir und "jammerte" - er hatte Angst. Also ließen wir es erstmal sein, ich musste dann auch gehen.

Ich verstehe nicht wieso Elvis ihn nicht mehr leiden kann - bei keinem anderen Hund reagiert er so, außer er wird angepöbelt, aber auch dann nicht so heftig.
Bei jedem anderen Hund fände ich es zwar schade wenn er ihn nicht leiden kann, es wäre dann aber eben so. Doch den Hund meiner Schwester sollte er schon mögen oder wenigstens in Ruhe lassen. Sonst wird jedes Familientreffen anstrengend...

Wie sollte ich mich beim nächsten Treffen verhalten?
Können wir den Hunden irgendwie beibringen miteinander auszukommen?

Früher hat Elvis nachdem er mal gebissen wurde an der Leine gepöbelt wenn wir größere Hunde trafen, das macht er aber schon lange nicht mehr.
Jetzt wirkt er hier zu Hause gerade immer noch ziemlich verstört und kommt nicht zu mir her, obwohl er sonst um die Zeit zu mir aufs Sofa liegt. Er scheint mir gerade irgendwie nicht zu trauen. Leckerli nimmt er von mir, aber nur wenn ich zu ihm hin gehe und dass wo er sonst immer so verfressen ist und sofort herkommt. Das beschäftigt mich am meisten. Ich hab ihn zwar erst geschimpft, aber dann auch beschützt. Bin momentan etwas ratlos

LG Ameise

*coookiie*
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Re: Kann man "sich mögen" anerziehen?

Beitragvon *coookiie* » Mo 5. Okt 2015, 07:40

Hmm, also in dem Alter ist es nicht ungewöhnlich, dass junge Rüden mal aufeinanderkrachen. Hattest du denn das Gefühl es war ein ernsthafter Kampf (Verletzungsabsicht) oder eher eben Show (viel Getöse, aber keiner beißt richtig fest zu?)
Glaubst du sie hätten von selbst wieder aufgehört oder war das Trennen unumgänglich? Wer hat denn angefangen? Elvis wegen dem Kuchenstück?

Grundsätzlich würde ich die Hunde immer draußen aufeinandertreffen lassen und dann erst später, wenn es keine Spannungen gibt, gemeinsam hineingehen. Konfliktpotential abschwächen, also kein Spielzeug, kein Futter, kein Streicheln. Erstmal.
Wichtig finde ich, dass ihr möglichst bald (am besten heute) wieder miteinander einen Spaziergang macht. Und sei es nur an der Leine nebeneinander herlaufen, wenn ihr euch nicht frei laufen lassen traut. Sonst besteht immer die Gefahr, dass die negative Erfahrung bleibt und sie das nächste Mal noch stärker aufeinander reagieren.

Grundsätzlich kann man soetwas schon üben. Eine gute Freundin von mir hat eine mittlerweile über 16-jährige Hündin. Sie war immer schon eine sehr zickige Dame und eher unverträglich mit anderen Hundn. Meine Tia (gleiche Gewichtsklasse) war ebenso eher unverträglich mit Hündinnen. Es war also ziemlich heikel, die beiden zusammenzulassen, da sie auch beide harte Kämpferinnen waren. Da war nichts mit Show, das war bitterer Ernst, die hätten sich schwer verletzt. Trotzdem haben wir es über die Jahre geschafft, die beiden aneinander zu gewöhnen und irgendwann waren sie dann richtige Freundinnen und haben sich sogar übereinander gefreut, wenn wir uns trafen. Trotzdem mussten wir bis zuletzt mit Dingen wie Bällen oder Streicheln aufpassen. Funktioniert hat das, indem wir uns einfach immer wieder getroffen haben und lange Spaziergänge nebeneinander gemacht haben. Jedes Pöbeln wurde korrigiert, freundliches/neutrales Verhalten belohnt. Irgendwann wurde es ihnen zu blöd und sie haben sich mehr über die Spaziergänge gefreut, als sich über die andere Zicke aufgeregt :mrgreen:
Laura, mit Zes und Tia im Herzen...

ameise
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Re: Kann man "sich mögen" anerziehen?

Beitragvon ameise » Mi 7. Okt 2015, 21:09

Danke dass macht Hoffnung!

Wir waren ja richtig lange spazieren bevor wir reingingen. Mit dem Kuchen hatte es nichts zu tun. Den wirklichen Grund konnte ich aber nicht ausmachen, auch nicht wer angefangen hat - das war so plötzlich und schnell! Im Einen Moment schaute mich mein Hund noch an, im nächsten hingen sich die beiden im Fell.
Ich bin mir nicht sicher ob sie Verletzungsabsichten hatten. Elvis hat bis dahin aber noch nie so aggressiv geklungen und der Eurasier auch nicht. Elvis klingt immer sehr raus und gefährlich beim spielen aber das war sogar für ihn außergewöhnlich. Vom Eurasier hört man sonst eigentlich nie was und daher fand ich das erschreckend. "Endkampf" wäre es sicher keiner geworden, aber Verletzungen würde ich nicht ausschließen.
Elvis war unter dem Eurasier, konnte nicht weg und war sehr in die Enge getrieben und der Eurasier ließ kein bisschen von ihm ab. Aber ich glaube der machte das eher aus "jugendlichem Leichtssinn". Der wollte dann ja auch gleich wieder schwanzwedelnd hin, aber Elvis hatte richtig Angst.

Leider wohnt meine Schwester nicht in der Nähe und es wird eine Weile bis sie sich wieder sehen.
Wir werden versuchen dass sie öfter nebeneinander herlaufen.

LG


kuchnie na wymiar Czeladź

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