Partner von

plötzliche Leinenaggression


CesareMontini
Forums-Welpe
Beiträge: 29
Registriert: Do 30. Jul 2015, 07:45

plötzliche Leinenaggression

Beitragvon CesareMontini » Mo 17. Aug 2015, 08:42

Hallo,

ich weiß gerade nicht in welches Unterforum es gehört, also probier ichs erstmal hier :-) Er reagiert zwar aggressiv, aber eher aus Angst...

Also mein Beetee ist nun etwas über eine Woche hier. Von der Vorbesitzerin wurde gesagt, es reagiere aggressiv gegenüber anderen Hunden. Er ist mal an der Leine von einem Boxer schlimm gebissen worden, so dass es auch genäht werden musste. Die Erfahrung habe ich gar nicht gemacht. Er hat schon etwas Schiss vor anderen Hunden, aber ich hab zu gesehen, dass er auch an der Leine Ausweichmöglichkeiten hat (also ich nehm ihn kurz, aber an der Seite entgegen dem anderen Hund und geh auch etwas zur Seite, damit die Hunde nicht nah aneinander vorbei müssen). Außerdem lenk ich ihn etwas ab, z.B. mit einer kleinen Übung oder einfach nur, in dem ich ihn mehrfach anspreche. Das lief sehr gut.

Letzte Mittwoch hatten wir leider eine blöde Begenung im Park. Ein Hund kam ohne Leine wild kläffend aus uns zu und von irgendwo weit weg, hörten wir hysterisch sein Frauchen rumschreien. Ich sah sie auch wild schimpfen und mit der Leine umherwirbelnd (wäre ich auch nicht gerne hin gegangen). Beetee hat merklich Angst, lief aber brav mit als ich die Richtung wechselte und lies sich auch gut auf eine kurze Übung ein. Der Hund ist dann doch umgedreht und wir sind weiter den Weg lang. Wir waren ein ganzes Stück weiter und plötzlich kam der Hund aus dem Gebüsch geschossen und sprang von hinten auf Beetee drauf. Der hat den Hund sofort abgeworfen und reingebissen, ich hab ihn weggezogen und er hat sich sofort beruhigt. Der andere rannte jankten zum schimpfenden Frauchen. Die nahm es erst locker, meinte dann aber doch, dass sie zum Tierarzt will und mir wegen dem "Schaden" Bescheid sagen will. Da kam bis jetzt noch nichts und irgendwie denk ich auch, dass das nicht unser Problem sein sollte.

Nun hab ich aber ein Problem mit Beetee. Er kläfft nun von sich aus jeden Hund an. Lässt sich nicht mehr ablenken und zieht wie irre um an den anderen ran zu kommen. Heute morgen war es besondr schlimm, denn er hat mich dabei richtig rumgerissen und ich bin schön in den Matsch geflogen (regnet seit zwei Tagen). Ich konnte ihn zwar noch halten, aber auch erstmal beruhigen war einfach nicht drin.
So soll es natürlich nicht weiter gehen. Sobald er auf Ruf hört, will ich ihn auch mal los machen können. Natürlich liest man immer, dann verhalten die sich anders, aber trotzdem hätte ichkein gutes Gefühl dabei. Und auch so soll es nicht weiter gehen. Nur so wirklich weiß ich da auch gerade nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich pack ihn halt kurz an der Leine mit beiden Händen, wieder auf der Seite weg vom Hund und würde locker lassen, wenn er sich weg vom Hund bewegt. Ich versuche seine Aufmerksamkeit mit Worten oder Lecker auf mich zu ziehen, aber das wird stur ignoriert. Meistens legt er sich dann hin und wartet auf den anderen Hund. Das lass ich nicht zu. Wenn er richtig austickt, pack ich ihm direkt am Geschirr, da kann ich ihn besser halten, und zieh ihn dann weiter.

Wie wäre denn meinerseits das Optimale Verhalten. Er muss ja nicht jeden Hund mögen, soll aber eben auch nicht so aggressiv sein. Ich möchte Beetee auch gerne Sicherheit vermitteln, allerdings bin ich ja gerade selbst sehr unsicher. Der Hund heute morgen war zum Beispiel ein älterer Golden Retriever, der Beetee gar nicht wirklich beachtet hat, Der ist schön Beifuss neben seinem Frauchchen her.

Danke!

LG steffi

ameise
Rettungshund
Beiträge: 1142
Registriert: Di 21. Apr 2015, 20:34
Hunderasse(n): Beagle-Collie-Mix
Meine Hunde: Elvis

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon ameise » Mo 17. Aug 2015, 09:07

Hallo Steffi!

Das Problem kenne ich. Ich musste 2 mal von vorne anfangen mit der Erziehung gegen das Leinengepöble weil mein Elvis von anderen Hunden angegriffen wurde.
In akuten Situationen habe ich ihn mit der Wasserspritzflasche angespritzt, dann kam er sofort runter und wir konnten ruhig weiter gehen.
Wenn ich von weitem schon einen Hund vor ihm entdeckte, ließ ich Elvis absitzen zeigte in die Richtung des anderen Hundes, machte Elvis in Ruhe darauf aufmerksam und verwendete als beruhigendes Signal "alles gut" in ruhigem aber sicherem Tonfall. Meistens konnte er dann relativ entspannt an dem entgegenkommenden Hund vorbei - zumindest ohne großes Gepöbel.
Wenn Elvis in einiger Entfernung vor mir einen Hund entdeckte, zeigte ich ihm die Wasserflasche und sagte bestimmt "Gib Ruhe!". Wenn er dann auch ruhig blieb, sagte ich das bekannte Signal "alles gut". Dann klappte es auch.
Wenn es ausnahmsweise doch zu Gepöble kam, musste ich halt doch wieder Wasser spritzen.

Mittlerweile ist das gar nicht mehr nötig und Hundebegnungen laufen von unsrer Seite immer entspannt ab. Die Wasserflasche hab ich trotzdem noch dabei, weil Elvis irgendwas an sich hat, was manche Rüden wohl reizt (bis jetzt immer welche die schon öfter aggressiv waren), die dann auf ihn losgehen. Die bekommen dann ne Dusche um Elvis vor ihnen zu schützen - nur wenn es richtig ernst wird.
Ich hätte ja nie gedacht dass ein paar Spritzer Wasser so wirkungsvoll sind, aber das war das einzige mit was ich den Teufelskreis durchbrechen konnte.

RudiMentaer
Benutzeravatar
Moderator
Beiträge: 1229
Registriert: Di 10. Mär 2015, 20:57
Wohnort: Ba.-Wü.
Hunderasse(n): Dobermann-DSH-TPLO-Mix
Meine Hunde: Tyron

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon RudiMentaer » Mo 17. Aug 2015, 11:58

Hallo Steffi,

Ameise hat recht. Innerhalb von Sekunden ist die Arbeit von Wochen dahin - ärgerlich, klar. Kennen aber wahrscheinlich fast alle hier.

Wenn ein anderer Hund volle Pulle in deinen rein rauscht, wird es für dich immer schwierig.

Was dabei passiert ist Folgendes: Normalerweise hast du die Kontrolle und machst das Beetee regelmäßig klar. Du regelst die kritische Situation, nicht er. Das funktioniert so lange, wie es funktioniert. Soll heißen, solange keiner von euch beiden dabei Schaden nimmt.
Da dies aber nun schief ging, traut dir Beetee nicht mehr die Führung in (aus seiner Sicht) kritischen Situationen zu. Schaden bedeutet Vertrauensverlust.
Ursache <-> Wirkung

Was ist zu tun?
- Vertrauen wiederherstellen

Zum Beispiel so:
ameise hat geschrieben:Wenn ich von weitem schon einen Hund vor ihm entdeckte, ließ ich Elvis absitzen zeigte in die Richtung des anderen Hundes, machte Elvis in Ruhe darauf aufmerksam und verwendete als beruhigendes Signal "alles gut" in ruhigem aber sicherem Tonfall. Meistens konnte er dann relativ entspannt an dem entgegenkommenden Hund vorbei - zumindest ohne großes Gepöbel.

-> Ameise kontrolliert wieder -> Vertrauen wiederhergestellt


Wasser spritzen kann dabei helfen, toleriert aber nicht jeder Hund. Das kann auch nach hinten losgehen und den Hund noch weiter verunsichern.
Bild

ameise
Rettungshund
Beiträge: 1142
Registriert: Di 21. Apr 2015, 20:34
Hunderasse(n): Beagle-Collie-Mix
Meine Hunde: Elvis

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon ameise » Mo 17. Aug 2015, 12:44

Das stimmt Rudi! Wasser spritzen kann sehr wirkungsvoll sein, aber auch noch mehr verunsichern - vorallem wenn der Hund schon unsicher ist.
Deswegen wollte ich das erst auch nicht anwenden und war sehr skeptisch.
Allerdings ist es schwierig einen Hund, der sich in etwas hineinsteigert abzulenken und wieder auf dich aufmerksam zu machen.
Mein verfressener Elvis z.B. war in solchen Situationen nichtmal mit Leckerli abzulenken also musste ich zu was drastischerem greifen.

Am Anfang hat er ja wenn er in Rage war nichtmal geblickt, dass das Wasser von mir kommt, aber als er es merkte, misstraute er mir und ich musste viel Vertrauensarbeit leisten!

Mittlerweile ist unsere Bindung so stark gewachsen, dass ich im Notfall die Spritzflasche nutzen kann ohne dass ich wieder mit der Vertrauensarbeit fast von vorne anfangen muss. Allerdings traut Elvis mir nicht solange ich die Flasche in der Hand halte. Sobald sie in der Tasche ist, kommt er her.

Wie gesagt man muss abwägen wie und wann und bei welchem Hund man solche Mittel einsetzt und es eben nur in Notfall-Situationen tun.
Erste Wahl ist natürlich so aufmerksam zu sein, dass man die Situation kontrollieren kann bevor der Hund meint es selbst übernehmen zu müssen - nur wissen wir alle dass es immer mal auch unerwartete Momente gibt.

Ganz wichtig ist ruhig bleiben, Sicherheit auszustrahlen und dem Hund vermitteln dass man Herr der Lage ist! Also nicht bei jedem entgegen kommenden Hund denken "oh je wie wird er jetzt wieder reagieren?" sondern sich selbst sagen "okay ein fremder Hund - super, eine neue Chance positives Verhalten anzutrainieren und Vertrauen aufzubauen!" Und zur Not hat man ja die Wasserspritzflasche. :dozey:

CesareMontini
Forums-Welpe
Beiträge: 29
Registriert: Do 30. Jul 2015, 07:45

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon CesareMontini » Mo 17. Aug 2015, 13:22

Hallo,

vielen Dank für eure schnellen Antworten.

Ok, das mit dem Wasser werd ich als Plan B machen. Beetee ist ja noch recht neu und ich will eine gute Beziehung zu ihm, da könnte das mit dem wasser evtl. schädlich sein.

Aber das mit dem in Ruhe Absitzen und beruhigen kann ich mir gut vorstellen. Wenn ich den Hund früh sehe und Beetee an der Flexileine ist, schaff ichs auch noch ihn zu rufen. Er kommt zwar widerwillig, aber er kommt, da reagiert er also noch auf mich.
Was ich dann versucht habe, ist eben mit ihm zu laufen, aber das werd ich jetzt einfach mal sein lassen und ruhig mit ihm abwarten bis der andere vorbei ist.

Das mit dem Vertrauensverlust hab ich mir auch gedacht. Anfangs war er sehr ambivalent wenn ein anderer Hund kam und ich zeitgleich seine Aufmerksamkeit gefordert habe, aber das ging zunehmend besser und war als es dann passiert ist, kein Problem mehr. Da hatte ich auch das Gefühl, er vertraut mir, dass ich weiß, was richtig ist.
Dazu kommt ja auch, dass ich da selbst relativ cool war. Ich hab mir keine Sorgen um sein Verhalten gemacht und mir einfach gedacht, der andere Hund hat auch ein Herrchen/Frauchen und die muss sich um den kümmern. Jetzt bin ich selbst momentan verunsichert. Ich weiß nicht wie Beetee reagiert und ich merk auch bei mir, dass ich viel mehr nach meinem Gegenüber schaue, ob er gecheckt hat was los ist und seinerseits auf seinen Hund achtet. Ich weiß, dass das blöd ist, Beetee spürt das ja, aber so ganz abschalten kann ich das gerade nicht. Vermutlich hilft mir dann das absitzen aber selbst, denn dann hab ich einfach auch nen sicheren Stand als wenn das beim vorbeigehen passiert. Als ich vorhin geflogen bin, dachte ich eine Sekunde vorher noch, dass ich hoffentlich nicht ausrutsche in der Matsche :-P und in dem Moment zog Beetee und ich war weg.

Ich berichte euch, wie die nächsten Male laufen. Bin auch gespannt wie es dann ab Mittwoch in der Hundeschule wird.

LG steffi

Kräutergeist
Benutzeravatar
Moderator
Beiträge: 2844
Registriert: Di 10. Mär 2015, 20:58
Wohnort: Goslar
Hunderasse(n): Rhodesian Ridgeback
Meine Hunde: Kiki †

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon Kräutergeist » Mo 17. Aug 2015, 13:49

Also, was ich grundsätzlich immer gemacht habe mit unserer Kiki, welche auf fremde Hunde auch nicht immer gut zu sprechen war, war folgendes:
Erstmal grundsätzlich meinen Hund ranrufen und anleinen - dass da ein fremder Hund rumrennt hatte sie in dem Fall schon längst bemerkt, bevor ich den Hund gesehen habe, hatte sie ja meist schon eine Witterung. Hund kurz nehmen und auf die vom fremden Hund abgewandte Seite, so dass ich quasi dazwischen stehe. Dann musste ich aufmerksam sein - jedes Fixieren des Gegenübers, jedes Anspannen und Aufbauen wurde meinerseits mit einem scharfen "NEIN!" und evtl. mit einem Rempler quittiert. Der Rempler brachte sie kurz auf dem Gleichgewicht und ihr Fokus auf den bösen, bösen fremden Hund war dahin, so dass ich wieder die Aufmerksamkeit auf mich ziehen konnte. Hatten wir es ohne Theater, halbwegs entspannt aneinander vorbei geschafft, gabs ein dickes Lob. Das hat gut funktioniert, wenn beide Hunde angeleint waren.

Kam uns ein freilaufender Hund entgegen, habe ich den anderen Halter grundsätzlich aufgefordert, seinen Hund doch bitte auch an die Leine zu nehmen. Die meisten machen das auch ganz unkompliziert und nehmen Rücksicht und dann gibt's da natürlich auch noch die "Der-tut-nix"-Fraktion. Die nehmen den Hund natürlich NICHT an die Leine und brüllen nur - während der Hund schon in vollem Lauf auf halber Strecke da ist - "DER TUT NIX!". Ich habe dann konsequent "ABER MEINE!!!" zurück gebrüllt. Dann gab es noch mal 2 Varianten - entweder haben die ihren Hund schneller eingesammelt als man "Der tut nix" sagen kann oder der fremde Hund fing sich bei Eintreffen einen Arschtritt ein und sah selbst zu, dass er schnellstmöglich den Rückzug antritt. Da muss man es nicht übertreiben, man sollte aber auch nicht zimperlich sein.
Hat auch nicht lange gedauert, da waren hier die allermeisten Hundehalter so gut erzogen, dass sie ihre "Der tut nixe" nicht mehr einfach so zu uns rennen ließen. Nach kurzer Absprache und Beschnuppern ist das ja alles nie ein Problem gewesen.
Bild

CesareMontini
Forums-Welpe
Beiträge: 29
Registriert: Do 30. Jul 2015, 07:45

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon CesareMontini » Di 18. Aug 2015, 13:15

Huhu,

ja mit dem "Der tut nix" hatten wir es heute morgen auch. Wir waren im Park und da lag ein Hund mitten auf der "Kreuzung" im Park. Also da mussten wir durch. Das Herrchen war ewig weit weg. Ich hab gerufen und gebeten, dass er den anleint. "Der tut nix". Also hab ich gesagt, dass meiner aber nicht von der Leine kann und angstlich ist und er seinen deswegen bitte kurz anleinen soll, bis wir vorbei sind. Er meinte nochmal "Der tut nix", ist dann aber widerwillig umgedreht und in zeitlupe zu seinem Hund gelatscht. Ich hab gewartet. Dann blieb der 3m vor seinem Hund stehen und meinte, ich soll da jetzt vorbei laufen, das würde so reichen. Leider ist es an der Stelle auch echt eng, also kann man da auch keinen Bogen drum machen. Im Endeffekt sind wir dann umgedreht, denn der andere Hund lag zwar immer noch da, knurrte aber schon und war auch einen Kopf größer als Beetee. Frechheit. Hat mich echt sauer gemacht.

Aber ansonsten scheint der Tipp mit dem Setzen und Superlecker gut zu funktionieren. Wir hatten bis jetzt drei Begenungen und die liefen ruhig ab. Ich mach Beetee kurz, geh an die Seite (hab mir Gummistiefel gekauft, damit ich auch durch den Kniehohenmatsch laufen kann), lass ihn sitzen und dann rede ich beruhigend und hab Fleischwurst (draußen gibt es das nur wenn ein anderer Hund kommt) in der Hand. Er guckt dann zwar zum anderen hin, lässt sich aber weiterhin ansprechen.
Heute morgen lief es wirklich super, da hat er nur flüchtig zu anderen geschaut und sich sonst voll auf mich konzentriert. Und das obwohl ich keine Fleichwurst in der Hand hatte, weil ich noch mit der Tüte gekämpft hab (war im Reißverschluss eingeklemmt). Ich hoffe es geht so weiter :-)

LG steffi

ameise
Rettungshund
Beiträge: 1142
Registriert: Di 21. Apr 2015, 20:34
Hunderasse(n): Beagle-Collie-Mix
Meine Hunde: Elvis

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon ameise » Mi 19. Aug 2015, 08:33

:daumenhoch: toll! Und mit der Fleischwurst lernt er gleichzeitig dass andere Hunde echt toll sind und man sich da richtig freuen kann wenn man welche trifft...
Viel Erfolg weiterhin!

CesareMontini
Forums-Welpe
Beiträge: 29
Registriert: Do 30. Jul 2015, 07:45

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon CesareMontini » Mi 26. Aug 2015, 23:32

Hallo,

also mittlerweile klappt es meistens sehr gut. Beetee konzentriert sich mehr auf mich als auf den anderen Hund. Er schaut zwar mehrmals kurz hin, fixiert aber nicht. Ab und an merke ich, er will pöbeln, aber ich kann den Moment gut abpassen und krieg ihn vorher abgelenkt.
Er pöbelt allerdings noch, wenn das Gegenüber sich... nicht ganz fein verhält. Also wenn der plötzlich auf ihn zu geschossen kommt oder wie wild an der Leine zieht um zu ihm zu kommen oder selbst anfängt zu pöbeln. Da kann ich Beetee in 90% der Fälle nach einem Beller beruhigen und wir können auch normal weiter gehen. Ich möchte das zwar auch nicht, aber an sich find ich das jetzt nicht so tragisch, wenn er da Stellung bezieht, solang er sich da nicht reinsteigert.

Nun habe ich ein andere Problem: Beetee darf nun schon ab und ohne Leine (oder mit loser Schleppleine) laufen. Er hört meistens schon recht gut und ich kann mittlerweile auch schon eher einschätzen, wann es besser und wann schlechter (dementsprechend eben wann ohne und wann mit Schleppleine). Wenn ich nun nen anderen Hund sehe, ruf ich Beetee zu mir und leine ihn an und wir gehen normal an dem anderen vorbei. Eigentlich kein Problem. Ein paar Schritte weiter kann ich ihn los machen,d ann juckt ihn das nicht mehr.
Aber ich würde den auch gerne mit anderen spielen lassen. Ich hab schon mehrfach gelesen, dass so ein erstes kennenlernen an der Leine doof ist und es besser ohne Leine ist. Aber ich kann ihn da einfach noch nicht einschätzen, wie er reagiert. Ich hab einfach etwas schiss, dass er nicht nur pöbelig ist, sondern einfach auf den anderen los geht und ohne Leine... kann ich dann wenig machen (ok auch mit Leine ist das doof). Habt ihr da einen Tipp? Danke :-)

LG steffi

CesareMontini
Forums-Welpe
Beiträge: 29
Registriert: Do 30. Jul 2015, 07:45

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon CesareMontini » Mi 2. Sep 2015, 17:17

Huhu,

also so wirklich kommen wir momentan da leider auch nicht weiter. Ich trau mich nach wie vor nicht den ohne Leine laufen zu lassen, wenn andere Hunde kommen. Also sonst geht es und wenn wir andere Hunde sehen, ist er auch gut abrufbar. Und dann kommt es ein wenig drauf an, wie ich mich verhalte. Mach ich mein "wir gehen dem aus dem Weg Programm" läuft es meistens sehr gut. Lass ich den anderen Hund aber rankommen, verhält er sich ganz seltsam. Ok, ab und an merke ich, er kriegt schiess und dann pöbelt er auch. Dann brech ich das ganze ab, lenk ihn ab und wir gehen unsere Weges. Aber es kam jetzt auch schon mehrmals eine richtige beschissene Situation. Ein Beispiel:
Gestern kam ein Lappirüde auf uns zu. Beetee legt sich hin, aber Kopf und Ohren hoch und er wedelt mit dem Schwanz (manchmal jankt er sogar und schaut mich dabei kurz an). Ich hab die andere Besitzerin vorgewarnt. Sie meinte ihrer ist sehr lieb und verträglich. Sie ihn an die Leine genommen und langsam an uns rangelassen. Beetee liegt weiter da und scheint sich zu freuen. Der andere ist auf Armlänge an uns heran und plötzlich springt Beetee los und schnappt zu (hat ihn nicht erwischt, ich hab sofort mit der Leine gegen gehalten). Es kam aber kein Vorwarnzeichen. Kein Knurren oder so.... Das macht mir echt etwas Angst. Der andere ist dann jankend weg und Beetee hat dem noch hinterher gepöbelt. Kaum waren die aber drei Schritte weg, regt er sich ab, schaut mich an, vergisst den anderen vollkommen und schlawenzelt freudig um mich rum.

Bis jetzt versteht er sich mit 3 weiblichen Lappis im Park sehr gut und zwei Seniorenrüden werden von ihm ignoriert. Alle andere Begegnungen wo ich das Geschlecht weiß, waren Rüden. Nur heute hat er eine alte Hündin genauso angegangen (allerdings war da eine seiner Freundinnen dabei und ich hatte den Eindruck, dass das eher was mit eifersucht zu tun hatte, weil coco die andere so freudig begrüßt hat).

Ich will nun mit verschiedenen Leuten beim Gassigehen üben. Ich hoffe es klappt. Habt ihr noch Ideen, Tipps oder Mutmaßungen?
Danke!

LG steffi

Kräutergeist
Benutzeravatar
Moderator
Beiträge: 2844
Registriert: Di 10. Mär 2015, 20:58
Wohnort: Goslar
Hunderasse(n): Rhodesian Ridgeback
Meine Hunde: Kiki †

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon Kräutergeist » Mi 2. Sep 2015, 17:56

Vielleicht sind die meisten anderen Rüden einfach nicht seine Freunde bzw. sucht er sich da genau aus, wen er mag und wen nicht. Wäre ja nix ungewöhnliches.
Bild

trini
Blindenführhund
Beiträge: 513
Registriert: Fr 20. Mär 2015, 20:49
Wohnort: Wuppertal

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon trini » Mi 2. Sep 2015, 21:25

Hallo Steffi,

such mal nach Click for Blick. Da geht es weniger um Ablenkung als um Umlenkung. Hilft mir als HH auch lockerer zu agieren. Und die Einstellung aendern... :smile2: Jede Begegnung ist eine hervorragende Uebung - kein Schreckensszenario. :juhu:

LG
Martina

*coookiie*
Rudelmitglied
Beiträge: 161
Registriert: Fr 13. Mär 2015, 11:04
Meine Hunde: unvergessen...

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon *coookiie* » Mi 2. Sep 2015, 22:15

Kontakt an der Leine ist eine seeeeehr heikle Sache und würde ich so nie machen. Das geht VIEL eher schief, als alle ohne Leine. Er scheint ja nicht grundsätzlich unverträglich zu sein. Hast du die Leine hoffentlich bei den Begegnungen immer locker gelassen? Eine gespannte Leine ist nahezu eine Garantie, dass es bei einer angespannten Begegnung kracht.

Ich würde mir Leute suchen, deren Hunde ich als selbstsichere, verträgliche Hunde ich kenne und ihn dann mal an schleifender, lockerer Schleppe (ich persönlich würde sogar sicher ohne Leine bevorzugeh, aber wenn du dich nicht traust, ist es vermutlich besser eine draufzulassen) einfach machen lassen. Nicht frontal drauf zugehen, erster direkter Kontakt sehr nebenbei. Nicht rumstehen, eher in Bewegung bleiben, alle in die selbe Richtung, aber die Hunde eben möglichst ohne Leine bzw. wenn, dann möglichst lang und ja nie gespannt.

So würd ichs machen. :smile:

Wenn du dir nicht sicher bist, ihn im Falle einer Rauferei sofort in den Griff zu kriegen, eventuell mit Beißkorb sichern. Der muss aber vorher entsprechend geübt werden.
Laura, mit Zes und Tia im Herzen...

CesareMontini
Forums-Welpe
Beiträge: 29
Registriert: Do 30. Jul 2015, 07:45

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon CesareMontini » Fr 4. Sep 2015, 16:27

Hallo, vielen Dank :-)

Ja das mit dem Click for Blick (kannte den Begriff nicht) machen wir quasi. Also sobald wir einen anderen Hund sehen, kriegt er für jeden Blick einen Click und ein Lecker, sofern er nicht pöbelt. Dadurch kann ich auch das Starren meistens ganz gut unterbrechen bzw. in der Entstehung abwürgen.

Wie ich die Leine halte ist immer von der Situation abhängig. Generell hab ich sie erstmal auf der kürzten Einstellung. Wenn er sich dann schon sehr aufbaut und ich mir fast sicher bin, er geht gleich los, hab sie schon kürzer. Dann konzentriert ich mich auch stark darauf ihn abzulenken und seine Aufmerksamkeit zu kriegen.
Aber in den meisten Fälle ist er ja gar nicht direkt so, manchmal scheint er sich ja sogar zu freuen. Dann hab ich die Leine zwar kurz, lass sie aber locker durchhängen. Wenn er dann los geht, hab ich ihn ja trotzdem sicher bei mir, aber er kriegt nicht noch von mir die Spannung in die Situation.

Wir haben nun mit zwei Hunden mal geübt. Einmal sind wir am Mittwoch zusammen mit einem zur Hundeschule, den er Montags da zweimal angegangen ist. Da sind wir nur ein kurzes Stück hinterher gelaufen und dann war es eigentlich schon ok und die beiden haben hinterher sogar zusammen gespielt. Das war auch ein Rüde.
Dann waren wir heute Vormittag unterwegs. Da haben wir uns an die Regeln der Hundetrainerin der Hundeschule gehalten. Das ist folgendermaßen:
Erstmal gehen wir nebeneinander und das in einem Abstand, wo Beetee nicht pöbelt. Für jeden Blick ein Click und Lecker. Wenn er pöbelt, den Abstand vergrößern in dem man einen Bogen läuft. Wenn er entspannt läuft, kann man sich näher kommen. Iwann geht es dann auch mal im zickzack zusammen und wieder nah. Dabei immer für jeden Blickkontakt ein Click und Lecker und für jedes Pöbeln einen Bogen laufen. Wenn alles gut geht, kann man die auch spielen lassen, muss aber nicht beim ersten Mal klappen.
Also bis zum Zickzack sind wir heute gekommen Beetee hat den direkt angepöbelt, sich aber auch flott wieder eingekriegt und dann lief es eigentlich sehr gut. Ich denke nur, dass die Hunde ein kleines Kommunikationsproblem hatten. Beetee hat dann mehrmals auch ne Spielaufforderung an den anderen abgegeben. Der hat die erwidert und dabei gebellt und dann hat Beetee sofort mit gefletscheten Zähnen gepöbelt. Ich denke er hat das Gebelle echt immer falsch verstanden. Leider war dann auch zweimal auf dem Weg eine blöde Situation. Einmal kam uns ein Mann mit einem Hund ohne Leine entgegen und hat mit dem Ball gespielt. Der hund hat sich zwar nicht für uns interessiert, aber das hat Beetee dann sehr aufgeheizt und bis wir da vorbei waren, war der total wuselig. Und dann kam uns ein Hund ohne Herrchen und Leine entgegen. War zwar auch keine schlimme Situation, der hat sich gar nicht für uns interessiert, aber der kam halt im Affenzahn angerannt. Das Herrchen kam dann irgendwann auch keuchend hinterher :-P Aber na ja, im großen und ganzen lief es dafür echt gut. Wir haben uns dann auch gut verabschiedet. Die zwei saßen zum Schluss nebeneinander und haben gemeinsam leckerchen gekriegt. Das wollen wir bald wiederholen.

Natürlich kann es sein, dass er einige Hunde einfach nicht "riechen" kann. Ich denke das sind die, wo er sich direkt sehr aufbaut, aber das sind halt auch die wenigsten. Bei den meisten scheint er vorher eher freudig erregt zu sein. Ich denke es ist wirklich mehr Angst und das müssten wir mit genug positiven Erfahrungen doch auch in den Griff kriegen. Ich bin da jedenfalls sehr optimistisch. Mit der wir uns heute getroffen haben meinte auch, dass sie das öfter macht (also mit "unverträglichen" Hunden treffen und spazieren gehen). Und da sind auch welche dabei, wo man merkt, die sind sehr aggressiv. Den Eindruck hatte sie bei ihm nicht, weil der sich ja immer schnell wieder beruhigt hat und dann neugierig war.
Ich denke mir hat das Treffen heute auch sehr gut getan. Einfach weil ich nun das Gefühl habe, dass er nicht einfach so auf einen anderen los gehen würde, sondern eher antizipatorisch reagiert. Ich würd ihn jetzt nach wie vor nicht einfach so laufen lassen, aber ich denke fast, das würde gut gehen, weil er einfach einen Bogen um den anderen macht.

Was wir in der Hundeschule auch besprochen haben ist dieses unvorhersehbare Verhalten. Also es gab ja häufiger so Situationen, wo Beetee sich hinlegt wenn er einen anderen Hund sieht. Er ist dabei auch nicht wirklich unterwürfig. Kopf und Ohren sind hoch, er schaut aufmerksam, jankt mich teilweise sogar an und wedelt mit dem Schwanz. Und wenn der andere Hund dann auf Armlänge bei uns ist, springt er plötlzlich vor und schnappt. Das hat mich sehr beunruhigt. Die Trainerin meinte, dass ihm das Knurren vermutlich aberzogen worden ist. Wenn ein Hund immer beim Knurren ärger kriegt, macht er das nicht mehr, sondern geht direkt eine Stufe höhe bei der Abwehrhaltung und das ist dann der "Luftschnapper". Sie meinte es gibt unterm Knurren auch noch Warnsignale, die zeigt Beetee noch minimal. Zum Beispiel streckt er für den Bruchteil einer Sekunde die Zungenspitze raus. Das machen die wohl normalerweise auch deutlicher, aber dnan ist es um die Situation abzuschätzen. Es ist nun etwas doof, dass Beetee sich immer vor mich legt, wenn er erst freudig reagiert, dadurch seh ich die Zunge nicht. Aber ich versuch ihn dazu zu kriegen sich neben mich zu legen, damit ich das mal mitbekomme.
Die Trainerin will bald mal ihren Hund mitbringen, da wollen wir dann mal zusammen schauen, wie unser (also Beetee und mein) Verhalten in solchen Situationen ist und dann will sie mir zeigen, was ich anders machen soll.

Sonntag haben wir die nächste Gassi-Verabredung :-) Diesmal mit einer Hündin.

LG steffi

trini
Blindenführhund
Beiträge: 513
Registriert: Fr 20. Mär 2015, 20:49
Wohnort: Wuppertal

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon trini » Fr 4. Sep 2015, 18:16

Hallo Steffi,

das hoert sich doch schon ganz gut an. Ich weiss, es ist bei langhaarigen Hunden sowieso schwieriger die Koerpersprache zu lesen. Bei Herrn Stein konnte ich irgendwann schon sehen, wenn nur die Haare auf einer Seite der Schnute zitterten, dass er dem entgegenkommenden Hund "den Zahn" zeigte. Aber solche Lernprozesse dauern eben. Ihr kennt Euch ja noch gar nicht wirklich. :smile:

LG
Martina

CesareMontini
Forums-Welpe
Beiträge: 29
Registriert: Do 30. Jul 2015, 07:45

Re: plötzliche Leinenaggression

Beitragvon CesareMontini » Fr 11. Sep 2015, 21:31

Danke :-)

Also die Erfolge sind leider gemischt. Wir haben nun drei Hundetreffen gehabt und alle verliefen größtenteils gut. Beetee beruhigt sich schnell und ist dann entweder nicht mehr am anderen interessiert oder mag sogar spielen :-)

Auch unser Antipöbeltraining scheint zu helfen, da er immer besser ansprechbar ist. Ich kann ihn ohne Leine abrufen und bekomme leichter Augenkontakt.

ABER
Der "Wohlfühlabstand" wird glaub ich größer, d.h. wir brauchen immer mehr Distanz zu anderen Hunden, denn sonst geht er los. Außerdem wird das Gepödel an sich deutlich heftiger. Ich habe mittlerweile richtig fiese Schmerzen in Handgelenk und Schulter :-(
So wirklich weiß ich nicht, was ich falsch mache :-(

Wir waren auch mit der Trainerin der Hundeschule einmal draußen spazieren und da hat sie es sich angesehen wie ich das mit Clicker und Fleischwurst mache und meinte, genauso sei es richtig und ich soll weiter machen. Ich soll so weiter machen und später schauen wir uns das nochmal in Ruhe an...

LG steffi


kuchnie na wymiar Czeladź

Zurück zu „Ängste“




  Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron